Reiseveranstalter wollen sich von Piraten nicht schrecken lassen
Trotz der wachsenden Gefahr von Piratenüberfällen im Golf von Aden wollen deutsche Kreuzfahrtanbieter vorerst nicht auf Reisen durch das hochgefährliche Seegebiet verzichten. Diese Position hätten Vertreter der Touristikbranche nach
Informationen der «Frankfurter Rundschau» (Samtagausgabe) in einem Krisengespräch mit mehreren Bundesministerien noch einmal bekräftigt. Die Branche habe bei dem Treffen mit Vertretern von Außen-, Wirtschafts-, Verkehrs- und Verteidigungsministerium am Mittwoch deutlich gemacht, dass es keine wirtschaftlich vertretbare Alternative für diese Route gebe, weil der Weg um das Kap der Guten Hoffnung jede Reise um mindestens drei Wochen verlängern würde.
Im Krisenfall erwarten die Veranstalter offenbar, dass der deutsche Staat die Schiffe aus einer Notlage befreit. Dabei kann der Golf von Aden nach Ansicht von Reedereiexperten erst wieder als sichere Passage gelten, wenn die deutsche Marine einen Begleitschutz anbietet, verbunden mit dem Mandat, militärisch gegen Piraten vorgehen zu dürfen. Solange die Bundesregierung diesen Schritt nicht geht, wollen sich Anbieter von Kreuzfahrten selbst helfen.
Die französische Marine bietet nach Informationen der Zeitung
gesicherte Konvois an, denen sich Fracht- und Passagierschiffe anschließen können. An Bord deutscher Luxusliner befinden sich überdies zum Teil private Sicherheitsdienste, die mit Hilfe von Schallkanonen, die unerträgliche Töne produzieren, Überfälle von Piraten abwehren wollen.
Nach Ansicht des Auswärtigen Amtes «besteht ein sehr großes Risiko von Piratenangriffen und Entführungen» im Golf von Aden, dem Seegebiet zwischen dem Suez-Kanal und dem Indischen Ozean. Seit längerem warnt das Außenministerium vor Reisen nach Somalia und in somalische Gewässer. In Regierungskreisen wächst die Besorgnis darüber, dass ein Kreuzfahrtschiff in die Hände von Piraten fallen könnte.
Zahlreiche beliebte Kreuzfahrtrouten führen genau durch den Golf von Aden, etwa zu Zielen auf der Arabischen Halbinsel wie Dubai oder Abu Dhabi. Erst am vergangenen Freitag fühlte sich das Kreuzfahrtschiff «MS Astor», das als ZDF-Traumschiff bekannt geworden ist, in dem Gebiet von Piraten bedroht. Mit drei Warnschüssen vertrieben Soldaten der zufällig in der Nähe patrouillierenden deutschen Fregatte «Mecklenburg-Vorpommern» die beiden Schnellboote.
Nach Auskunft des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam bekamen die Passagiere des Schiffes von dem Vorfall allerdings nichts mit, weil er sich in vier bis fünf Kilometern Entfernung abgespielt hatte. Es sei das erste Mal gewesen, dass die deutsche Marine einem deutschen Kreuzfahrtschiff zur Hilfe eilen musste.
ddp.djn/arh
Suchen
Newsletter / RSS
Der eTurboNews.de Newsletter versorgt Sie Dienstags und Donnerstags mit den aktuellen Nachrichten aus der Redaktion.

Kommentare
Kommentar hinzufügen