Da brodelt was in Dresden !

Dresden Werbung und Tourismus GmbH wird restrukturiert

Die Geschäftsführung und der Betriebsrat der „Dresden-Werbung und Tourismus GmbH" (DWT) haben Verhandlungen geführt, um diese städtische Gesellschaft zu restrukturieren. Die DWT hatte nach den Boomjahren 2005 und 2006 zunehmend Verluste erwirtschaftet, die vom Haushalt der Stadt zukünftig nicht mehr ausgeglichen werden können. Die Defizite entstanden vor allem in Aufgabengebieten wie etwa der Hotelvermittlung, die nicht zu den kommunalen Kernaufgaben gehören. Diese verlustreichen Geschäftsbereiche sollen nun aufgegeben werden, um die Erfüllung der Kernaufgaben auch in Zukunft weiter zu gewährleisten.
„Wichtigstes Ziel ist es, gemeinsam mit Partnern für Dresden ein attraktives Stadtmarketing und eine erfolgreiche Tourismusförderung zu sichern", sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz. „Wir müssen das in der DWT vorhandene Know-how unter allen Umständen erhalten, um eine Stadt von internationalem Renommee wie Dresden weiterhin professionell vermarkten zu können." Die Vertreter der Dresdner Tourismuswirtschaft haben ihre volle Unterstützung bei der Durchsetzung des gewählten Kurses zugesagt.
Der Restrukturierungsplan der Landeshauptstadt Dresden sieht vor, den kommunalen Kernbereich Tourismusförderung in eine neue Gesellschaft zu überführen. Das betrifft u. a. die Beteiligung an nationalen und internationalen Messen, Pflege der Kontakte zu Kunden und Partnern in der touristischen Vermarktung sowie Kongressmarketing. Dadurch würden 14 Arbeitsplätze gerettet werden. Arbeitsplätze, die nicht zum kommunalen Kernbereich gehören, müssen kurzfristig abgebaut werden. Diesen Mitarbeitern wird eine über Tarif liegende Abfindung angeboten.
Um eine zumindest zeitweise Lähmung der Gesellschaft durch eine Insolvenz zu vermeiden, haben sich die Verhandlungspartner einen engen Zeitplan gesteckt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden heute von der Geschäftsführung und dem Personalrat informiert. Die Oberbürgermeisterin hat den Ältestenrat informiert.

Update: 13,10,2008

Zum Thema ein offener Brief der A&O Hotel and Hostel Dresden GmbH:

Abwicklung der Dresdenwerbung und Tourismus-Marketinggesellschaft

Sehr geehrte Damen und Herren,

Als Geschäftsführer des A&O City Hotel and Hostel in Dresden wende ich mich heute an Sie:

Mit unserem Low-Budget- sowie Jugendhotel "A&O City Hauptbahnhof" sind wir zu einem bereits schwierigen Zeitpunkt im letzten Jahr in den Dresdner Hotelmarkt eingestiegen. Das Haus hat sich bis heute sehr erfreulich und gegen den Dresdner Tourismustrend entwickelt.

Wir beschäftigen uns demzufolge seit ca. 24 Monaten mit dem Dresdner Markt und der Tourismusentwicklung dort. Mit Verwunderung habe ich festgestellt, mit welcher Ineffizienz und Kopflosigkeit die Stadt Dresden Ihr hohes touristisches Potenzial bei der Vermarktung verspielt. Die nun, durch die Presse (im Übrigen bis heute mit keinem einzigen Wort von der DWT an die Hotelpartner) kommunizierte Abwicklung der Marketing-Gesellschaft ist meiner Meinung nach überfällig und folgerichtig, wenn auch selbstverständlich tragisch für die betroffenen Mitarbeiter.

Für den Dresdner Tourismus kann es nur besser werden.

Zwei große Fehler wurden unserer Meinung nach gemacht:

1. das riesige Potenzial der Online-Buchung - der Trend hierzu ist ungebrochen - wurde schlichtweg technisch nicht genutzt. Eine lange entwickelnde und vorliegende Onlinebuchungsschnittstelle, die den Hotels in Dresden ermöglicht hätte die Verfügbarkeiten permanent und in Echtzeit der Dresden Werbung und Tourismus zu melden, wurde aus uns unbegreiflichen Gründen und trotz massiven Klagens und Drängelns nicht umgesetzt und realisiert.

Wenn doch die Hotels nicht in die Lage versetzt werden, Ihre Verfügbarkeiten und Raten tagesaktuell zum Verkauf frei zu melden, verwundert es nicht, dass der DWT erhebliche Verkaufsprovisionen entgangen sind. Dies hätte vor über einem Jahr mit einem Aufwand von ca. ½ Arbeitstag der EDV erledigt werden können und war im Hause bekannt.

Somit hat man sich wissentlich und ohne Not aus einem Geschäftsfeld ausgegrenzt dass die Hotels gemeinsam mit der DWT gerne mitgenommen hätten.

2. Der nächste große Fehler ist: dass die DWT keine sichtbaren großen Anstrengungen unternommen hat, im ausländischen Markt Fuß zufassen um z.B. die einmaligen Kultursammlungen in Dresden sowie die Barockes Szenerie im Ausland bekannt zumachen. So hat Dresden unverändert den mit Abstand geringsten Auslandsbesucher-Marktanteil von allen deutschen Großstädten.

Ein dritter oft diskutierte Punkt: dass es Dresden zu keinem Zeitpunkt gelungen ist, die Hotelraten aus dem Keller zu bekommen, halte ich dagegen für den falschen Kriegsschauplatz. Es ist richtig, dass Dresden vergleichbar mit anderen Deutschen Großstädten und erst recht im Vergleich mit internationalen Städten mit den geringsten Hotelraten leben muss, und das bei vergleichbar hohem Leistungs- und Qualitätsniveau.

Dies ist für die Betreiber aber im Grunde kein Übel, denn ebenso müssen dann die Kostenstrukturen vergleichen werden. Und diese sind im Vergleich zu den genannten anderen Standorten analog günstiger und rechtfertigen damit die Preise.

Hier liegt also nicht die Ursache für einen schwachen Tourismus, sondern eher einen Chance, denn auf Grund der geringen Betriebskosten die ein Hotelier in Dresden hat, besteht auch die einmalige Chance, die Stadt Dresden als eine preiswerte Destination zu vermarkten.

So ist das Schicksal der DWT insofern doppelt tragisch: als dass es absehbar war und dass es strategische Fehler waren. Für diese die durchaus engagierten Mitarbeiter wenig konnten.

So wurden wir in all unseren Anliegen von der DWT stets gut unterstützt und begleitet - solange es Anliegen waren, die der einzelne Mitarbeiter bewerkstelligen konnte.

Die großen Baustellen jedoch, die Erschließung der Onlinebuchungen, die Erschließung des Auslandsmarktes und die langfristig dringend notwendige massive Verjüngerung des durchschnittlichen Dresden-Besuchers, wurden sträflich liegengelassen.

Wir betreiben inzwischen an 10 verschiedenen Standorten A&O Hotels und Hostels. Es gibt keine Stadt in der ich durchgängig so gastfreundliche Einwohner und so engagierte und dankbare Mitarbeiter erlebt habe, wie in Dresden.

Ich hoffe daher ehrlich und aufrichtig, dass die Stadt Dresden eine schlagkräftige, dynamische und modern aufgestellte Marketinggesellschaft erhält, um in Zukunft mit den Pfunden der Stadt zu wuchern.

Mit freundlichen Grüßen

A&O Hotel and Hostel Dresden GmbH


Kommentare


An alle Kommentatoren:
Dass die DWT sich in der aktuellen "Schieflage" befindet ist sehr bedauerlich, war m. E. aus fachlicher Sicht aber mehr als absehbar. Als Gründe für die Schieflage der DWT werden von der Geschäftsleitung die Veränderungen in der Tourismusbranche genannt, so z. B. dass der Städtetourismusmarkt immer härter umkämpft und die Kunden zunehmend weborientiert seien und dass die Hotelvermittlung und der Ticketdienst inzwischen über Internet-Buchungsmaschinen abgewickelt werden. Diese Erklärungen sind richtig, die Erkenntnisse allerdings alles andere als neu! Viele Städtedestinationen haben sich in Bezug auf die Hotelvermittlung und den Ticketdienst auf Grund genau dieser veränderten Marktsituation in den vergangenen Jahren umorientiert und die Kooperation mit den führenden Buchungsportalen gesucht.

Dass die Übernachtungszahlen in den Destinationen auch mal rückläufig sein können ist völlig normal. So lange die Übernachtungszahlen Jahr für Jahr Anstiege verzeichnen, stellen dieses die meisten Tourismus-GmbHs gerne als Erfolg ihrer Arbeit dar. Sobald hier eine Wendung eintritt, werden die Schuldigen schnell woanders gesucht. Dass z. B. die Diskussion über die Waldschlößchenbrücke zu einem Imageschaden führt, der sich auf den Städtetourismus nach Dresden auswirkt ist eher unwahrscheinlich. Gleiches gilt wohl auch für die in einem Interview mit Frau Coulin geäußerte These, dass die NPD (Coulin: " Hinzu kamen die Kreistagswahlen mit dem hohen Anteil, den die NPD dabei gewonnen hat").

Sicher sind das alles keine schönen Diskussionen, aber sie werden die kulturinteressierten Touristen sowie die Kongressveranstalter und –besucher dann wohl doch nicht zu einer finalen Entscheidung gegen Dresden bewegen.

Diese Erklärungen sind m. E. mehr ein Indiz dafür, dass man in Zeiten des Booms gerne auf der Welle des fremdverursachten Erfolges mit reitet, es in dieser Zeit aber leider versäumt, in Bezug auf die strategische Ausrichtung für die Zukunft seine Hausaufgaben zu machen. Anstatt dessen werden die Gesellschaften personell aufgepumpt und das mitunter nur, um umfangreiche Mitarbeiterverantwortung in die eigene Vita mit aufnehmen zu können. Das kostet den Dresdner Steuerzahler jetzt knapp 3 Mio. € und 47 Mitarbeiter ihren Job!

Realer erscheint mir, dass das geringer werdenden, zur Verfügung stehende Nettoergebnis der Haushaltseinkommen bedingt durch steigende Energiekosten oder auch die aktuelle Krise am Finanzmarkt Auswirkungen auch auf Städtereisen haben. Hat sich ein Stadt dann für ein eigenes Buchungssystem entschieden, schlagen die Rückgänge logischerweise massiv zu Buche.

Ich finde es grundsätzlich suspekt, wenn Managmententscheidungen, die zu einer vergleichbaren Situation (Pleite)geführt haben, mit Stellenstreichungen "repariert" werden sollen.

Empfehlenswert: Der Buchbeitrag von Frau Coulin(ehem.) Kubitza in dem Fachbuch Städtetourismus. Lehr- und Handbücher zu Tourismus, Verkehr und Freizeit: „Controlling in einer City Tourismus-Organisation“, S.181-198! Nach der Lektüre versteht man dann gar nicht mehr, wie der Geschäftsleitung das mit der Pleite passieren konnte - vielleicht hat man nicht mehr in das Buch geschaut!

Mit besten Grüßen aus der Fachwelt.
M. Nölle
Marc Nölle Consulting & Management



Frau Coulin hat seit Jahren nur geschlafen, und z.B. gar nicht mitbekommen bzw. gar nicht darauf reagiert, dass Hotelbetten zunehmend über das Internet gebucht werden.



.... und heute in den Sächsischen Zeitung:
Frau Coulin will Chefin der neuen Marketinggesellschaft werden. Zitat "Zudem habe sie rechtzeitig über die Schieflage der DWT informiert" Genau das stimmt: sie hat INFORMIERT, aber was hat sie UNTERNOMMEN, um die Arbeitsplätze zu erhalten? Im gleiche Artikel wird die vor kurzem erst neu eröffnete Touristinformation am Hauptbahnhof erwähnt. Frage wie teuer war das und sind es nicht genau solche Entscheidungen, die von der Planlosigkeit zeugen? Frau Coulin hat seit Jahren die Entwicklung falsch eingeschätzt und das Unternehmen in die jetzige "Fastinsolvenz" verantwortlich geführt. Dafür wird sie jetzt noch belohnt, sie darf bleiben und 47 Mitarbeiter werden entlassen?
Das geht so wohl auch nur in Dresden!

....im gleichen Artikel: die beiden Touristinformationen müssen eventuell geschlossen werden ( dabei auch die kürzlich erst eröffnete! ) und sollen dann an einen neuen Partner übergeben werden. Da kannn man nur hoffen, der neue Partner weiss die Fachkompetenz der "alten" Mitarbeiter zu schätzen und wenigstens für diese gibt es eine beruflich Perspektive. Das wäre dann mal was Positives!



Operette, Waldschlösschenbrücke, und jetzt die Tourist-Information. Dresden und Köln werden sich im Klüngel immer ähnlicher. Und wir wissen alle, wer am Ende die Rechnung bezahlt.



..... und was hier nicht steht: 47 Mitarbeitern wird gekündigt, auch denen der Touristinformation! Wird Dresden die erste City ohne Anlaufstelle für seine Gäste?


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